Zum Hauptinhalt springen

Selbstwertdienliche Verzerrung

Kurz

Erfolge sind "mein Verdienst", Misserfolge "Pech und Umstände".

Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommst du ohne ihr

Definition

Die selbstwertdienliche Verzerrung beschreibt die Tendenz, Informationen, Ursachen und Bewertungen so zu interpretieren, dass sie das eigene Selbstwertgefühl schützen oder erhöhen.

Typisch: Erfolge werden intern (Talent, Fleiß) erklärt, Misserfolge extern (Pech, schlechte Bedingungen, andere). Kritik wird abgewertet, Lob überhöht.

EN: Self-Serving Bias

Verwandschaft

Selbstwertdienliche Verzerrungen stehen in enger Beziehung zu:

  • Fundamentaler Attributionsfehler: Eigene Handlungen intern, fremde Handlungen extern erklären (umgekehrt je nach Bedarf).
  • Bestätigungsfehler: Bevorzugt Informationen aufnehmen, die das Selbstbild stützen.
  • Kognitive Dissonanz: Widersprüche zum Selbstbild werden "weg erklärt".
  • Halo-Effekt: Positives Selbstbild färbt auf Einzelleistungen ab.
  • Illusion der Kontrolle: Erfolge werden überschätzt, Zufall unterschätzt.
  • Optimismus-Bias: Risiken/Fehler werden für die eigene Person geringer eingeschätzt.

Beispiele

Prüfungsnote

Gute Note: "Ich habe hart gearbeitet und bin klug." Schlechte Note: "Die Aufgaben waren unfair, der Prüfer hatte etwas gegen mich."

Teamleistung

Gewonnen: "Meine Strategie war ausschlaggebend." Verloren: "Das Wetter, die Umstände, die Gegner – alles gegen uns."

Unternehmensziele

Ziele erreicht: "Gute Führung, starke Leistung." Ziele verfehlt: "Markt war schwierig, neue Regulierung, unvorhersehbare Faktoren."

Beziehungen

Komplimente werden ernst genommen, Kritik als "überempfindlich" oder "missverständlich" abgetan.

Auswirkungen

  • Lernhindernisse: Aus Fehlern wird wenig gelernt; Verantwortung wird externalisiert.
  • Konflikte: Unfaire Selbstattribution verstärkt Spannungen in Teams/Beziehungen.
  • Fehlentscheidungen: Realitätsverzerrung führt zu falscher Risiko- und Leistungsbewertung.
  • Überheblichkeit/Defensivität: Über- oder Unterreaktionen auf Feedback.

Gegenstrategien

  • Attributions-Check: Ursachen systematisch intern/extern prüfen ("Was lag wirklich in meiner Kontrolle?").
  • Feedback-Kultur: Konkretes, verhaltensbezogenes Feedback einholen; defensivfreie Räume schaffen.
  • Errate-die-Gegenposition: Eigene Leistung aus Sicht der anderen beschreiben.
  • Daten statt Eindrücke: Kennzahlen und objektive Kriterien nutzen.
  • Fehler-Tagebuch: Lernen aus Fehlentscheidungen ritualisieren.

Quellen

  • Wikipedia: Selbstwertdienliche Verzerrung
  • Miller, D. T., & Ross, M. (1975). Self-serving biases in the attribution of causality.
  • Mezulis, A. H., Abramson, L. Y., Hyde, J. S., & Hankin, B. L. (2004). Is there a universal positivity bias? A meta-analytic review of self-serving attribution. Selbstwertdienliche Verzerrung Die Verzerrungen, die der Aufrechterhaltung eines positiven konsistenten Selbstbildes dienen.